Hautreinigung – Seife oder Syndet?

Seifen oder Syndets

„Vergesse bloß die Seife nicht!“ – diesem O-Ton ist man momentan sicherlich häufig ausgesetzt. Zu Recht, denn gründliches Händewaschen ist die simpelste Präventivmaßnahme um die Verbreitung diverser krankheitserregender Keime zu minimieren. Die vermeintliche Seife die dazu heutzutage meistens verwendet wird, zählt eigentlich zu den sogenannten Syndets. Die ursprüngliche Seife, hergestellt aus tierischen Fetten, findet immer seltener ihre Anwendung.

Die handelsüblichen Hautreinigungsmittel (z.B. Flüssigseife) bestehen aus verschiedenen Komponenten (Wasser, Tenside, Reibkörper, Lösungsmittel, Konsistenzgeber, Rückfetter, Farbe, Konservierungsmittel und eventuell Parfüm) die je nach erwünschter Wirkung im Endprodukt unterschiedliche Eigenschaften aufweisen können. Die wohl wichtigste Zutat stellen die Gruppe der synthetischen Tenside dar, denn diese sind für den letztendlichen Reinigungserfolg ausschlaggebend.

Extra Fact: Tenside werden, wenn sie als waschaktive Substanz (WAS) Verwendung finden auch als Detergenzien bezeichnet. Somit setzt sich die Bezeichnung Syndet hieraus zusammen.


Syndets = syntetische Detergenzien

Sie ermöglichen es, dass Verschmutzungen der Haut die normalerweise nur schlecht in Wasser löslich sind, in diesem dispergiert oder emulgiert werden können. Grund dafür ist ihr Aufbau. So bestehen sie, im Falle der in Hautreinigungsmittel verwendeten Aniontensiden, aus einem hydrophilen (Wasser liebend; negative Ladung) und einem hydrophoben (Wasser hassend; positive Ladung) Teil. Wegen dieser Struktur lagern sich die Tenside an der Grenzfläche zwischen Wasser und Schmutz an. In Folge dessen die Grenzflächenspannung zwischen den beiden Phasen verringert wird. Der Schmutz wird dann mit Hilfe von ladungsassoziierten oder sterischen Effekten gelöst. Ab einer gewissen Konzentration im Medium (z.B. einer Flüssigseife) schließen sich die Tenside zu sogenannten Mizellen zusammen (siehe Abbildung unten).

Aufbau einer Mizelle in wässriger Umgebung

Solche Mizellen werden sich in der Kosmetik- und Waschmittelherstellung häufig zu Nutze gemacht um im Endprodukt wasserunlösliche Stoffe wie z.B. Rückfetter einzubauen. Die Mizellen umschließen den unlöslichen Bestandteil und ermöglichen somit eine Mischung mit der wässrigen Umgebung. Bei Kontakt mit der Haut wird der Rückfetter abgegeben und der Schmutz in die Mizelle aufgenommen. Der ausschlaggebende Grund weshalb in den meisten Syndets Rückfetter verwendet wird, ist der Tatsache geschuldet, dass Aniontenside die Haut austrocknen. Durch die Hinzugabe der Rückfetter wird versucht diesem Effekt entgegen zu wirken.

Hier geht es weiter zu den 6 Schritten der hygienischen Händedesinfektion.

Die ursprüngliche Seife beinhaltet meist keine Zusätze demnach stammt die reinigende Wirkung demnach von den Aniontensiden. So strapaziert sie die Haut einerseits durch Austrocknung und andererseits durch ihren alkalischen pH-Wert. Da klassische Seifen Natrium- oder Kaliumsalze diverser Fettsäuren tierischen Ursprungs sind, wirken sie folglich bei Kontakt mit Wasser alkalisch. Für die Haut ist dies auf Dauer wenig förderlich, da der Haut pH-Wert vergleichsweise eher sauer ist. So wird bei jedem Waschgang der Säureschutzmantel der Haut beschädigt. Ein beschädigter Säuremantel führt in Wasser zu einer Quellung der Haut und bietet weniger Schutz vor Viren und Bakterien. Gesunde Haut ist normalerweise in der Lage diesen meist in wenigen Stunden wieder zu erneuern.

Neben den hautschädigenden Eigenschaften, gibt es bei herkömmlichen Seifen weitere Nachteile, weshalb sie kaum noch verwendet werden. So sind diese sehr empfindlich gegenüber unterschiedlicher Wasserhärtegrade. Je härter das Wasser, desto mehr schwer lösliche Salze bilden sich und es kommt zu hartnäckigen Ablagerungen im Abfluss. Darüber hinaus sind sie sehr säureempfindlich. Denn in saurer Umgebung bilden sich Fettsäuremoleküle, die sich negativ auf die Waschleistung der Seife auswirken. Die in Syndets häufig verwendeten Alkylbenzolsulfonate (Tensid) sind weniger anfällig für die vorliegende Wasserhärte und verhalten sich in saurer Umgebung vergleichsweise reaktionsträge.

Abschließend lässt sich sagen, dass Syndets trotz aller Vorteile die sie bieten, die Haut dennoch strapazieren. So ist es wichtig nach dem waschen seine Hände beispielsweise mit einer Lotion zu versorgen, da Rückfetter nicht ausreichenden Schutz vor einer Austrocknung bieten. Es gilt darüber hinaus sich ebenfalls über weitere Bestandteile des verwendeten Produkts zu informieren, um die passende Lösung für seine Haut zu finden.


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